„Lied vom Freund“ v. Vladimir Vyssozkij

Dieses Lied erscheint in einigen Russischlehrbüchern mit der Übersetzung von Johann Warkentin, siehe unten. Ich empfand das Lied immer anders. Und so widmete ich mich Vyssotzkij und besonders diesem Lied in der ersten Staatsexamensarbeit. Die Aufnahme, die ich kenne, ist kraftvoller und schwungvoller ohne die Staatsorchester-Schnörkel hier aus dem Original-Film. Sie stammte von einer Schallplatte, die ich nach meinem ersten bezahlten Dolmetscheinsatz in einer LPG /landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft/ von Mischa, einem Murmansker, geschenkt bekommen hatte – 1986. Er hatte auf gut Glück welche mitgebracht und ich liebte Vyssotskij… So schickte er dann noch Schallplatten, immer in Sperrholzkisten verpackt- alle angekommen! Zur Staatsexamensarbeit hatte ich eine Tonbandkassette beigelegt, mit vielen Mitschnitten von diesen Schallplatten… möglich dank meiner Sony-Kassetten-CD-Schallplattenspielerkombination- und einer Variante des Liedes in meiner Nachdichtung, von einem Freund zur Gitarre.

Nachdichtung von Sandra Kampczyk, November- Dezember 1996
1. Staatsexamensarbeit „Vladimir Vyssozkij – Wirken und Wirkung“, Universität Potsdam, bei Prof. Peter Kosta, eigener Vorschlag nach Übersetzungsdiskussion zu Warkentin /s.u./

Vladimir Vyssozkij

Aus dem Film: „Sturm an der Steilwand“ (Vertikal´, 1966)
Lied vom Freund (http://www.youtube.com/watch?v=N2xO_FWR1z8)

(für die Bergsteiger aus „Sturm an der Steilwand“)

Ist dein Freund plötzlich nicht mehr Freund,
Auch nicht Feind zwar, nur so lala…
Und kapierst du nicht gleich so recht,
Ist er falsch oder echt, –
In die Berge mit dir – riskier´s! –
Laß ihn nicht einfach stehn, wirst sehn;
Wenn zusammen am Seil ihr hängt,
Kriegst du raus, was dich drängt.

Ist mit ihm dort bloß nichts los,
kreideweiß er nach zwei Schritt Eis.
Will vom ersten Augenblick
Er nur wieder zurück –
Dann ist er ein Fremder dir,
schick ihn fort, ohne böses Wort.
Solche nimmt man bergan nicht mit,
über die gibt´s kein Lied.

Wenn er aber nicht mault, nicht jault,
Trotz dass mürrisch er schweigt – er steigt,
Und wenn du vom Felsen fällst,
Er zwar stöhnt, aber hält,
Zieht er wie in den Kampf mit dir,
Steht berauscht auf dem Gipfel er,
Wie sonst nur auf dich selbst, heißt das,
Ist auf diesen Verlass.

(Zeile: Schick ihn fort… – geändert 27.März 2010 von : Schick ihn weg, es hat keinen Zweck)